Mit dem Brückenkurs zum Studium

Für Personen, die im sozialen Bereich tätig sind und beruflich weiterkommen möchten, gibt es ein interessantes neues Bildungsangebot. Es richtet sich an Sozialassistent/innen, Heilerziehungspfleger/innen, Ergotherapeut/innen und Personen mit sonstigen einschlägigen Abschlüssen. Ein maßgeschneiderter, berufsbegleitender Brückenkurs ermöglicht diesen den Zugang zum Bachelor-Studiengang „Soziale Arbeit für Erzieherinnen und Erzieher“ an der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg.

Bisher war dieses Studium nur für staatlich anerkannte Erzieher/innen mit mindestens drei Jahren Berufspraxis möglich. Wer aber den Brückenkurs erfolgreich absolviert hat und ebenfalls drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, ist dieser Gruppe bei einer Bewerbung um den Studienplatz gleichgestellt. Abitur oder Fachhochschulreife ist nicht erforderlich.

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Neue Welten

NEUE WELTEN – Ein Theaterstück über Menschenverständnis und die Grenzen der Vorurteile.

Ein gelungenes Projekt veranstaltete das BTO am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Mai 2019 in Kooperation mit dem Theater zur Weiten Welt mit Flüchtlingen im Haus der Kulturen in Lüneburg. Im proppevollen mosaique zeigten ca. zwei Dutzend Flüchtlinge ihr schauspielerisches Talent. Sie zeigten kulturelle Missverständnisse auf, legten den Fingerzeig in allzu typisch deutsche Verhaltensweisen und gaben amüsante Vorschläge zur besseren Völkerverständigung.
Birgit Becker, Leiterin des Theaters zur Weiten Welt, studierte die Episoden mit ihnen ein. Es sind Szenen beispielsweise aus der Ausländerbehörde, was erleben die Flüchtlingen im Alltag in deutschen Beamtenstuben? Themen wie: Wie begrüßen sich Deutsche, wie begrüßen sich Syrer, wie begrüßen sich Tunesier? Und wie offen kann man seine erste Liebe in der Öffentlichkeit zeigen, wenn man erst 16 Jahre ist und noch kein Deutscher?
Mit einfachen Mitteln brachte das Ensemble ein unterhaltsames Stück auf die Bühne. Tosenden Beifall ernteten sie, denn auch nachdenkliches wurde vermittelt. Wie schwer es ist in der Fremde, wie schwer es ist in ein Land zu kommen, dessen Kultur man noch nicht kennt, dessen Sprache man noch nicht spricht und dessen Gepflogenheiten einem völlig neu sind. Da stimmen einen ans Publikum gerichtete Worte, wie „… gebt uns etwas Zeit…“ sehr nachdenklich.
Beide Veranstaltungen waren äußerst gut besucht und wir hoffen somit auf Fortsetzungen.

NEUE WELTEN – Ein Theaterstück über Menschenverständnis und die Grenzen der Vorurteile
Foto: Sabine Zuther

Bildung mit Biss

Im September fand der erste Bildungsurlaub zum Thema „Nachhaltige Fließgewässerentwicklung und Pflege des Fischbestands“ statt. Für Konzept und Leitung des einwöchigen Seminars stand mit Jörg Strehlow ein bekannter Kopf aus der Szene Pate. Seiner Einladung in das BTO (Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide) nach Barendorf bei Lüneburg folgten namhafte Dozenten wie Prof. Dr. Robert Arlinghaus, DAFV-Geschäftsführer Alexander Seggelke, Dr. Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband NRW und Dr. Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen. Sebastian Bruns, Seminarleiter bei Deutsche See in Bremerhaven, und Michael Lechelt vom Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt komplettierten mit ihrem umfangreichen Wissen um eine nachhaltig orientierte Angelfischerei den illustren Kreis der Gastredner aus ganz Deutschland.

Seminarrahmen

Insgesamt hatten sich zwölf Teilnehmer zu dieser ersten Veranstaltung ihrer Art angemeldet und zum größten Teil ihren Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr bei ihrem Arbeitgeber eingereicht. Die BTO bei Lüneburg bildete den perfekten Rahmen für diese etwas andere Angelveranstaltung. Die Teilnehmer wurden während der Woche hochwertig von der prima Küchenmannschaft verpflegt und fanden nach den langen Seminar-Tagen mit Jörg Strehlow und den täglich wechselnden Gastrednern nach einem gepflegten Feierabend-Getränk in den Gästezimmern des Hauses ihren Schlaf. Alle fünf Seminartage starteten bereits um 9.00 Uhr nach dem Frühstück und endeten oft erst gegen Mitternacht. Das lag auch an den Exkursionen an die  Elbe, die meist am Nachmittag begannen und von Jörg und seiner Gruppe bereitwillig bis in die Dunkelheit ausgedehnt wurden. Meist wurde in der malerischen Landschaft der Elbtalaue bei Bleckede geangelt – selbstverständlich mit umweltfreundlichen Ködern und versuchsweise auch mit Ködern aus Fruchtgummi. Ein Höhepunkt war auch eine mehrstündige Floßfahrt auf der Elbe bei Neu Darchau mit dem Flößer Manfred Ruffing, um Fauna und Flora der spektakulären Auenlandschaft vom Wasser aus zu bestaunen.

Inhalte & Referenten

Von Montag bis Freitag ging es um Themen, die für die Zukunft des Angelns von großer Bedeutung sind. So machte Dr. Niepagenkemper deutlich, welch destruktiven Einfluss Kleinkraftwerke an unseren Gewässern auf das Leben unter der Wasseroberfläche haben. Insbesondere für den Rückgang der Aalbestände in Deutschland muss diese gar nicht „grüne“ Form der Stromgewinnung als eine der Haupt-Ursachen aufgeführt werden. Gleichzeitig konnte er jedoch auf große Erfolge seines Landesfischereiverbandes in dieser Sache hinweisen. Michael Lechelt machte den 12 Teilnehmern aus Niedersachsen und Hessen deutlich, wie es um die Wasserqualität der Elbe steht und wies auf große Erfolge in der Vergangenheit hin. Die Herausforderungen für die Zukunft liegen hier besonders in der Bekämpfung der Gewässer-Belastung durch Mikroplastik, aber auch im Kampf gegen Hormone, zum Beispiel durch die Anti-Baby-Pille, die zu einer Überpopulation an weiblichen Fischen führt und somit die Bestandsentwicklungen vieler Fischarten in der Zukunft beeinträchtigen kann.

Alexander Seggelke, einst erfolgreicher Profi-Basketballer und heute Geschäftsführer des Deutschen Angelfischer-Verbandes (DAFV), bewies den Teilnehmern des Seminares, dass ein moderner Angel-Funktionär durchaus die Sprache der Basis spricht. Und verblüffte mit der Vielseitigkeit seiner täglichen Arbeit, die ebenfalls für eine fischgerechtere, umweltbewusstere und nachhaltigere Angelfischerei steht. Dies wird unter anderem noch in diesem Herbst auf der Messe „AngelWelt Berlin“, vom 30. November bis 02. Dezember 2018, auf dem Berliner Messegelände unterstrichen, wenn der Verband zusammen mit Jörg Strehlow täglich einheimische Fische in der großen gemeinsamen Show-Küche zubereitet – und zwar die störrischen Biester, die aufgrund ihrer Gräten nicht so sehr beliebt sind. Aber eben richtig lecker schmecken!

Apropos: Der Profikoch von Deutsche See, Sebastian Bruns, wird dann auch mit von der Partie sein. Er übernahm in unserer Bildungswoche das wichtige Thema der Fisch-Verwertung und zeigte dabei den erstaunten Teilnehmern unter anderem, wie lecker man auch den Kopf eines großen Fisches (in diesem Fall eines Dorsches) zubereiten kann. Zudem wurden die wichtigsten Schnitte beim Filetieren geübt und in einem Vortrag auf die Bedeutung des Lebensmittels Fisch hingewiesen. Das abendliche Fisch-Buffet von Sebastian wurde dann zum kulinarischen Highlight der Bildungswoche. Zumal bei Kaiserwetter die lauen Abende allesamt draußen verbracht werden konnten, zum Beispiel auch am großen Lagerfeuer im Park der Bildungsstätte.


Dr. Thomas Klefoth sprach über einen großen Raubfisch, der die Angler an der Elbe besonders interessiert – im Fokus des Fischerei-Wissenschaftlers stand die Bestandsentwicklung des Welses. Diesen kapitalen Fisch dürfen wir in der Zukunft des Öfteren an unseren Angelhaken begrüßen, eventuell auch mal mit monströsen zwei Metern Länge oder mehr. Denn der Wels ist ein Profiteur des Klimawandels. Allerdings ist er nicht die allesfressende Bestie, für die man den Wels vielerorts hält. Im Gegensatz zum Hecht benötigt er nämlich nur ca. 70 – 80% an Nahrung und neigt keineswegs dazu, andere Raubfische nachhaltig zu verdrängen oder Futterfischbestände restlos zu verputzen.

Mit besonderer Spannung wurde Prof. Dr. Robert Arlinghaus erwartet, der am Donnerstag zwei Stunden lang zum Thema „Bestandentwicklungen bei Umsetzung des Entnahmefensters“ sprach. Leidenschaftlich und fesselnd, wie es nur jemand kann, der seine Arbeit liebt! Auf „Du“ mit den Teilnehmern entstand eine lebendige Diskussion um die zukunftsweisenden Arbeiten von Arlinghaus, die große Fische als besonders wertvoll zum Erhalt ausgewogener Bestände einstuft. Man darf davon ausgehen, dass seine Arbeit auch in Zukunft richtungsweisend sein wird und bestimmt bald Einfluss auf Fischereigesetze nehmen dürfte.

Praktische Anwendung

Eingerahmt wurden die spannenden Auftritte der Gastredner in Barendorf von dem einen oder anderen Vortrag des Seminarleiters Jörg Strehlow, der sich zum Beispiel über umweltfreundliche Köder und das Bild des Anglers in der Öffentlichkeit äußerte und mit den Teilnehmern diskutierte. Darüber hinaus entwarf Strehlow Gruppenarbeiten, in denen die Bildungs-Urlauber Fallbeispiele vortragen konnten. Zum einen ging es hier um Beiträge, die in den sozialen Medien erscheinen sollten. Und um Übungen, wie zum Beispiel ein Online-Shop mit nachhaltigen Produkten aussehen könnte oder wie man einen Artikel für die Fachpresse mit Ansätzen zum nachhaltigen Angeln interessant für die Leser gestalten kann. Auf großes Interesse stieß auch die Aufgabe, wie man sich ein Netzwerk aufbaut, wenn man als Angel-Guide arbeiten möchte – und welche Regeln man dabei einhalten sollte.

Bildungsurlaub 2019

Die Rückmeldungen auf den ersten Bildungsurlaub „Nachhaltiges Angeln“ waren überwältigend positiv. Es stellte sich zudem heraus, dass eine solche Veranstaltung eine Lücke füllt und so haben die BTO und Jörg Strehlow für 2019 bereits zwei weitere gemeinsame Termine festgelegt, zu denen Sie sich gerne beim Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide anmelden können: Das erste Seminar findet vom 17.- 21. Juni 2019 statt und die zweite Woche Bildungsurlaub ist vom 16. – 20. September 2019.

Neue Lebensabschnitte – neue Herausforderungen

Nach drei Jahren verlässt unsere geschätzte Kollegin Anni Richter unser Gutshaus, um im Studium neue Herausforderungen zu meistern. Wir bedanken uns ganz herzlich für die gemeinsame Zeit in der Frau Richter unser Team und die Arbeit im BTO kreativ und voller Energie mitgestaltet hat. Viel Erfolg im neuen Lebensabschnitt!

Gleichzeitig freuen wir uns, drei neue Kolleginnen begrüßen zu dürfen und sie auf ihrem weiteren Weg in einen neuen Beruf begleiten zu dürfen. Tatjana Maack, Johanna Busch und Anna Blödner ergänzen unser Team nun seit Anfang August als Umschülerin und Auszubildende. Daher blicken wir gespannt auf die kommenden Jahre mit neuen Herausforderungen und einem tollen Team.

Vorbereitungskurs zum Schulabschluss

Wie Robin erst dachte, dass er nichts kann. Und jetzt seine Traumausbildung macht.

Robin Laesch besuchte als Kind eine Förderschule. So richtig Spaß hat ihm der Unterricht eigentlich nie gemacht, und dann wurde er noch nicht einmal zur Realschulprüfung zugelassen. Robin war erst 17 Jahre alt und total frustriert. „Ich wusste einfach nichts mit mir anzufangen“, erzählt er. „Ich hatte keinen Plan, wozu ich Lust habe und was ich machen will.“

Auch von zu Hause bekam Robin keine Unterstützung – im Gegenteil: Es gab viele Probleme in der Familie. Kein Wunder, dass er überhaupt nicht wusste, wohin es mit ihm gehen soll im Leben.

Bis er gemerkt hat, dass ihn Game Art und 3D-Animation interessieren. Sein Pech: Mit seinem Hauptschulabschluss brauchte er sich noch nicht einmal zu bewerben, es war klar, dass er keine Chance haben wird.

Dann brachte sein Psychotherapeut ihn auf eine Idee: Ein Bildungszentrum 60 Kilometer südöstlich von Hamburg bietet die Vorbereitung auf den Realschulabschluss an – ein Jahr lang. Die jungen Leute wohnen vor Ort, sie sind weit weg von den Problemen zu Hause und können sich zum ersten Mal im Leben ganz auf sich konzentrieren.

Realschulabschluss nachholen im Landkreis Lüneburg
Das Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide liegt in einem Gutshaus mit Park aus dem 19. Jahrhundert. Hier: v.l. Kursleiterin Sabine Zuther, Absolvent Robin Laesch und Geschäftsführerin Oxana Klein vor dem Hauptgebäude.

„Das war das Beste, was mir je passiert ist“, sagt Robin heute. „Ohne die Zeit und den Abschluss würde ich niemals das Leben führen, das ich heute führe.“ Robin ist heute 21 Jahre alt, lebt in Köln und steht kurz davor, eine Ausbildung  im Onlinemarketing zu machen. Denn das findet er mittlerweile noch spannender als 3D-Animation. „Ich hatte echt Bedenken, wie das alles wird in diesem Jahr. Aber es war total klasse. Ich bin unsicher hingegangen und erhobenen Hauptes hinaus.“

Und so heißt der Ort, an dem Robin seine zweite Chance bekam: Bildungs- und Tagungszentrum Ostheide. Die Einrichtung ist staatlich anerkannt und bekommt Zuschüsse, daher ist der Kurs gar nicht so teuer wie man denkt. Er kostet 380 Euro im Monat inklusive Unterkunft im Einzelzimmer und drei Mahlzeiten am Tag.

Realschulabschluss nachholen